Die Wetter-App im New-York-Urlaub meldet 41 Grad, und du packst schon die Sonnencreme ein – bis dir dämmert, dass es Fahrenheit sind und du eher eine Mütze brauchst. Im amerikanischen Backrezept steht „350 °F“, der Ofen kennt aber nur Celsius. Und im Physikunterricht tauchen plötzlich Kelvin auf. Drei Skalen für ein und dieselbe Sache: Wie warm oder kalt ist es? Mit diesem Rechner musst du nicht mehr im Kopf jonglieren:
Schnellwerte (Klick auf einen °C-Wert übernimmt ihn oben)
| Celsius | Fahrenheit | Kelvin | Was ist das? |
|---|---|---|---|
| −459,7 °F | 0 K | absoluter Nullpunkt | |
| −40 °F | 233,15 K | hier sind °C und °F gleich | |
| 0 °F | 255,37 K | 0 °F | |
| 32 °F | 273,15 K | Wasser gefriert | |
| 50 °F | 283,15 K | kühler Frühlingstag | |
| 60,8 °F | 289,15 K | Merkhilfe: 16 ↔ 61 | |
| 68 °F | 293,15 K | Zimmertemperatur | |
| 82,4 °F | 301,15 K | Merkhilfe: 28 ↔ 82 | |
| 98,6 °F | 310,15 K | Körpertemperatur (klassischer Wert) | |
| 212 °F | 373,15 K | Wasser kocht (bei Normaldruck) | |
| 356 °F | 453,15 K | Backofen, Umluft/Ober-Unterhitze |
Die exakten Formeln
Alle drei Skalen messen dieselbe Temperatur, sie haben nur einen anderen Nullpunkt und unterschiedlich große Schritte. Ein Grad Celsius ist genau so groß wie ein Kelvin. Ein Grad Fahrenheit ist kleiner: Es entspricht 5/9 Kelvin, also rund 0,56 Grad Celsius. Daraus ergeben sich die Formeln, wie sie zum Beispiel das US-Normeninstitut NIST angibt:
- Celsius → Fahrenheit: °F = °C × 1,8 + 32
- Fahrenheit → Celsius: °C = (°F − 32) ÷ 1,8
- Celsius → Kelvin: K = °C + 273,15
- Kelvin → Celsius: °C = K − 273,15
- Fahrenheit → Kelvin: K = (°F + 459,67) ÷ 1,8
Ein Beispiel: 25 °C sind 25 × 1,8 + 32 = 77 °F und 25 + 273,15 = 298,15 K. Kelvin schreibt man übrigens ohne „Grad“: Es heißt 298 Kelvin, nicht 298 Grad Kelvin. Das hat die Generalkonferenz für Maß und Gewicht 1967 so festgelegt.
Wichtig ist der Unterschied zwischen einer Temperatur und einer Temperaturdifferenz. Wird es draußen um 10 Grad Celsius wärmer, sind das 18 Grad Fahrenheit mehr – und nicht 50 °F. Bei Differenzen fällt die 32 weg, es zählt nur der Faktor 1,8. Genau hier verrechnen sich viele, etwa bei Meldungen wie „die Erde hat sich um 1,5 Grad erwärmt“: Das wären in Fahrenheit 2,7 Grad.
Im Rechner findest du unter „Kuriositäten“ noch zwei Exoten. Rankine ist quasi das Kelvin der Fahrenheit-Welt: Es beginnt am absoluten Nullpunkt, hat aber Fahrenheit-große Schritte. Der schottische Ingenieur William Rankine schlug die Skala 1859 vor, sie taucht heute noch in manchen US-Ingenieurtabellen auf. Réaumur stammt von 1730: Wasser gefriert bei 0 und kocht bei 80 Grad. Lange war die Skala in Europa weit verbreitet, im späten 19. Jahrhundert wurde sie verdrängt.
Die Faustregel: mal 2 plus 30
Im Urlaub hat niemand Lust, mit 1,8 zu multiplizieren. Deshalb gibt es eine bekannte Faustregel:
- °C → °F: verdoppeln und 30 addieren
- °F → °C: 30 abziehen und halbieren
Aus 20 °C werden so 70 °F (exakt: 68 °F), aus 80 °F werden 25 °C (exakt: 26,7 °C). Aber wie gut ist die Regel wirklich? Weil sie mit 2 statt 1,8 rechnet, wächst der Fehler, je weiter du dich von 10 °C entfernst. Genau bei 10 °C stimmt sie perfekt, denn 10 °C sind exakt 50 °F.
| Celsius | Faustregel | Exakt | Fehler |
|---|---|---|---|
| −20 °C | −10 °F | −4 °F | −6 °F |
| 0 °C | 30 °F | 32 °F | −2 °F |
| 10 °C | 50 °F | 50 °F | 0 °F |
| 20 °C | 70 °F | 68 °F | +2 °F |
| 30 °C | 90 °F | 86 °F | +4 °F |
| 37 °C | 104 °F | 98,6 °F | +5,4 °F |
| 100 °C | 230 °F | 212 °F | +18 °F |
Zwischen 0 und 20 °C liegt die Regel also höchstens 2 °F daneben, das ist etwas mehr als 1 °C. Für die Frage „Jacke oder T-Shirt?“ reicht das völlig. Zwischen −5 und 25 °C bleibt der Fehler unter 3 °F. Für Fieber, Backofen oder Labor ist die Regel dagegen ungeeignet: Wer 350 °F mit „minus 30, halbiert“ umrechnet, landet bei 160 °C statt bei knapp 177 °C – der Kuchen wird es merken.
Es gibt auch einen Kopfrechentrick, der exakt ist: verdoppeln, davon 10 Prozent abziehen, 32 addieren. Bei 25 °C: 50 minus 5 ergibt 45, plus 32 macht 77 °F. Das funktioniert, weil „mal 2 minus 10 Prozent“ genau „mal 1,8“ ist. Rückwärts geht es so: 32 abziehen, halbieren und dann noch ein Neuntel des Ergebnisses dazurechnen – etwas fummeliger, aber ebenfalls exakt.
Merkhilfen für den Kopf
Ein paar Wertepaare lohnen sich zum Auswendiglernen, weil man sich von ihnen aus schnell orientiert:
- 16 °C ≈ 61 °F und 28 °C ≈ 82 °F: Die Ziffern sind einfach vertauscht. Ganz exakt ist es nicht (60,8 und 82,4 °F), aber als Eselsbrücke unschlagbar.
- 10, 20, 30, 40 °C = 50, 68, 86, 104 °F: Jede 10 Grad Celsius sind 18 Grad Fahrenheit.
- −40 °C = −40 °F: Der einzige Punkt, an dem beide Skalen dieselbe Zahl zeigen. Wenn jemand bei −40 Grad fragt, welche Skala gemeint ist: Es ist egal, kalt ist es so oder so.
- 37 °C = 98,6 °F: der klassische Wert für die normale Körpertemperatur. Er geht auf den Leipziger Arzt Carl Wunderlich zurück, der um 1851 die Temperaturen von 25.000 Patienten auswertete. Neuere Messungen kommen meist auf etwas weniger: In einer großen britischen Auswertung lag der Mittelwert bei 36,6 °C, und eine US-Studie zeigt, dass die durchschnittliche Körpertemperatur seit dem 19. Jahrhundert leicht gesunken ist.
- 0 °F ≈ −18 °C und 100 °F ≈ 38 °C: Das sind die Eckpunkte, die gleich im Meinungsteil noch eine Rolle spielen.
Eine kurze Geschichte der Temperatur
Fahrenheit (1724): Daniel Gabriel Fahrenheit wurde 1686 in Danzig geboren und arbeitete später als Instrumentenbauer in den Niederlanden. Inspiriert vom dänischen Astronomen Ole Rømer stellte er 1724 seine Skala vor. Den Nullpunkt legte er auf die Temperatur einer Kältemischung aus Eis, Wasser und Salmiak, reines Eiswasser bekam 32 Grad und die Körpertemperatur 96 Grad. Er gilt auch als der Erste, der Quecksilber statt Weingeist in Thermometer füllte. Später wurde die Skala an den Gefrier- und den Siedepunkt von Wasser angepasst: 32 und 212 Grad. Dadurch rutschte die Körpertemperatur auf rund 98,6 °F.
Celsius (1742): Der schwedische Astronom Anders Celsius maß sehr sorgfältig nach, dass der Gefrierpunkt von Wasser in Paris, Uppsala und Torneå gleich ist, und dass der Siedepunkt vom Luftdruck abhängt. Seine Skala von 1742 hatte nur einen Haken aus heutiger Sicht: Sie lief umgekehrt. Wasser kochte bei 0 Grad und gefror bei 100 Grad. Nach seinem Tod 1744 wurde die Skala umgedreht. Oft wird das Carl von Linné zugeschrieben: Er hatte sich ein Thermometer mit „richtig herum“ laufender Skala bauen lassen, und aus seinem Umfeld stammt 1745 die erste bekannte Temperaturangabe in moderner Celsius-Richtung. Historiker der Universität Uppsala betonen aber, dass sich die Umkehr kaum einer einzelnen Person zuordnen lässt. Den offiziellen Namen „Grad Celsius“ – statt „Grad centigrade“ – gibt es erst seit 1948.
Kelvin (1848): William Thomson, der spätere Lord Kelvin, beschrieb 1848 eine absolute Temperaturskala, die nicht mehr vom Verhalten eines bestimmten Stoffs abhängt. Ihren Nullpunkt schätzte er auf −273 °C; heute liegt er per Definition bei −273,15 °C. Kälter geht es nicht. 1954 wurde der Tripelpunkt von Wasser auf 273,16 K festgelegt, 1967 bekam die Einheit ihren heutigen Namen „Kelvin“ ohne „Grad“.
Die Neudefinition 2019: Seit dem 20. Mai 2019 hängt das Kelvin nicht mehr am Wasser, sondern an einer Naturkonstante. Die Boltzmann-Konstante, die Temperatur mit Energie verknüpft, ist seitdem exakt festgelegt: k = 1,380 649 × 10⁻²³ Joule pro Kelvin. Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Braunschweig hat mit eigenen Präzisionsmessungen zu diesem Wert beigetragen. Für deinen Alltag ändert sich dadurch nichts – 20 °C bleiben 20 °C. Aber streng genommen kocht Wasser unter Normaldruck heute nicht mehr bei exakt 100 °C, sondern bei knapp 99,97 °C.
Wer nutzt heute was?
Fast die ganze Welt misst in Celsius, die Wissenschaft überall in Kelvin und Celsius. Fahrenheit ist im Alltag vor allem noch in den USA üblich – samt ihren Außengebieten und den frei assoziierten Pazifikstaaten Palau, Mikronesien und den Marshallinseln, die den US-Wetterdienst nutzen – sowie auf den Cayman Islands. Einige Länder wie die Bahamas oder Belize verwenden beide Skalen nebeneinander. Großbritannien hat offiziell längst auf Celsius umgestellt, Boulevardzeitungen melden Hitzewellen aber gern noch in Fahrenheit.
Meinung: Warum Fahrenheit eigentlich die bessere Alltagsskala ist
Achtung, Meinung! Dieser Abschnitt gibt meine persönliche Sicht wieder, nicht die von Normungsinstituten. Wer danach empört ist, darf das gerne sein. – Bernhard
Ich gebe es zu: Ich habe eine Schwäche für Fahrenheit. Nicht für Wissenschaft und Backofen, aber fürs Wetter. Und dafür gibt es durchaus Argumente.
Erstens: 0 bis 100 ist das menschliche Klima. Auf der Fahrenheit-Skala entspricht 0 °F rund −18 °C und 100 °F rund 38 °C. Das ist ziemlich genau die Spanne, in der sich unser Wetter abspielt. Ein Beispiel aus dem echten Leben: Der Januar 2026 war in Deutschland laut Deutschem Wetterdienst ein ausgesprochen winterlicher Monat. Im Mittel lag er bei −0,7 °C, das sind knapp 31 °F. Selbst der tiefste Wert des ganzen Monats, gemessen in Oberstdorf, lag bei −21,7 °C – also nur etwa 7 Grad unter 0 °F. Auf der anderen Seite liegen die deutschen Hitzerekorde bei gut 41 °C, das sind rund 106 °F. Die Fahrenheit-Skala ist eine Art Prozentskala für das Wetter: 0 ist „richtig kalt“, 100 ist „richtig heiß“. Schon 1919 argumentierten die Amerikaner Frederick Halsey und Samuel Dale genau so gegen die Umstellung auf Celsius.
Zweitens: feinere Auflösung ohne Kommastellen. Ein Grad Fahrenheit sind nur 0,56 Grad Celsius. Im Büro wird erbittert gestritten, ob die Heizung auf 21 oder 22 Grad gehört – in Fahrenheit hätte man mit 70, 71 und 72 gleich drei Kompromisse zur Auswahl, ganz ohne „21,5“.
Drittens: Minus ist selten. Bei Fahrenheit sind negative Werte im Alltag die Ausnahme. Wer in Celsius-Ländern lebt, muss jeden Winter zwischen „+2“ und „−2“ unterscheiden, und das Minus geht in der Wetter-App gern mal unter.
Aber, fairerweise: Celsius hat starke Argumente. Die wichtigste Grenze im mitteleuropäischen Winter ist der Gefrierpunkt, und der liegt bei Celsius auf einer runden Null: unter 0 °C droht Glatteis, Punkt. Bei Fahrenheit muss man sich die krumme 32 merken. Beim Kochen ist 100 °C für kochendes Wasser eine schöne, runde Zahl. Celsius passt zum metrischen System, und weil ein Grad Celsius genau ein Kelvin groß ist, rechnet man in Wissenschaft und Technik ohne Umrechnungsfaktor. Und wer wirklich ehrlich sein will, nimmt gleich Kelvin: Es ist die absolute Skala der Wissenschaft, beginnt beim kältesten überhaupt möglichen Punkt und kennt keine negativen Werte. Rankine ist zwar ebenfalls absolut, spielt aber außerhalb einiger US-Ingenieurtabellen keine Rolle. Nur – „heute 293 Kelvin, perfektes Grillwetter“ sagt halt niemand.
Mein Fazit: Für die Wissenschaft Kelvin, für Küche und Glatteis Celsius, für das Gefühl „Wie ist das Wetter?“ Fahrenheit. Umstellen werde ich meine Wetter-App trotzdem nicht. Ich bin ja nicht verrückt. Und du?
Welche Skala ist besser?
Deine Stimme wird nur in deinem eigenen Browser gespeichert (localStorage) und nirgendwohin übertragen – es gibt daher kein Gesamtergebnis, und wir erfahren nicht, wie du abgestimmt hast.
Noch mehr Lust auf Rechner? Probier aus, wie weit man etwas hören kann, oder lies, warum auch die Schuhgröße eine eigene Maßeinheit hat.
Quellen
- NIST: SI Units – Temperature (Umrechnungsformeln und Definition des Kelvin)
- NIST Guide to the SI (SP 811), Appendix B.8: Umrechnungsfaktoren für Grad Fahrenheit, Celsius und Rankine
- NIST: Kelvin – History (Rømer, Fahrenheit, Réaumur, Celsius, Lord Kelvin)
- BIPM: SI-Basiseinheit Kelvin
- BIPM: Resolution 1 der 26. CGPM (2018) – Neudefinition des SI ab 20. Mai 2019
- BIPM: Resolution 3 der 13. CGPM (1967) – Name „Kelvin“ und Einheitenzeichen K
- BIPM: CIPM-Beschluss von 1948 – Name „degree Celsius“
- PTB: Neue Definitionen im Internationalen Einheitensystem (SI), Lesezeichen (PDF)
- PTB: Neubestimmung der Boltzmann-Konstante für die Neudefinition des Kelvin
- Encyclopaedia Britannica: Fahrenheit temperature scale
- Encyclopaedia Britannica: Celsius
- Encyclopaedia Britannica: Réaumur temperature scale
- Uppsala Universitet, Astronomie: History of the Celsius temperature scale
- Uppsala universitet: Linné och Celsius-termometern (schwedisch)
- Protsiv, M. et al. (2020): Decreasing human body temperature in the United States since the Industrial Revolution. eLife 9:e49555
- Deutscher Wetterdienst: Deutschlandwetter im Januar 2026
- Deutscher Wetterdienst (2020): Duisburg-Baerl und Tönisvorst mit 41,2 Grad Celsius Spitzenreiter
- Ergänzend: Wikipedia (englisch) zu Fahrenheit (Verbreitung, Halsey & Dale 1919), Celsius (Siedepunkt nach ITS-90), Rankine scale und Daniel Gabriel Fahrenheit




