Im Laufe der Zeit stößt man immer wieder auf faszinierende Gesetze, Faustregeln und Denkfehler. Ockhams Rasiermesser, der Dunning-Kruger-Effekt oder der Bestätigungsfehler sind bekannte Vertreter. Im Folgenden eine Übersicht über die bekanntesten – sortiert nach Faustregeln fürs Denken, Gesetzen aus Arbeit und Organisation, typischen Denkfehlern und sozialen Effekten.

Faustregeln fürs Denken

Ockhams Rasiermesser (Occam’s Razor)

Definition: Von mehreren Erklärungen, die gleich gut zu den Fakten passen, sollte man die mit den wenigsten Annahmen bevorzugen.

Beispiel: Wenn du Hufschläge hörst, denke an Pferde, nicht an Zebras. Bei medizinischen Diagnosen betrachten Ärzte zuerst häufige Krankheiten, bevor sie seltene in Betracht ziehen. Hmm, kam das nicht mal in einer Folge „Scrubs“ vor?

Hanlons Rasiermesser (Hanlon’s Razor)

Definition: Unterstelle keine Böswilligkeit, wenn Dummheit, Unachtsamkeit oder Inkompetenz als Erklärung genügen.

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Beispiel: Wenn dich jemand im Verkehr schneidet, ist es wahrscheinlicher, dass er dich nicht gesehen hat, als dass er es aus Bosheit getan hat.

Sagan-Standard („Sagans Rasiermesser“)

Definition: Außergewöhnliche Behauptungen erfordern außergewöhnliche Beweise. Der Astronom Carl Sagan machte den Satz in den 1980er-Jahren populär.

Beispiel: Wenn jemand behauptet, eine fliegende Untertasse gesehen zu haben, reicht ein unscharfes Foto nicht aus – dafür braucht es solide, überprüfbare Belege.

Chestertons Zaun

Definition: Entferne einen Zaun erst, wenn du weißt, warum er überhaupt aufgestellt wurde. Anders gesagt: Bevor man eine Regel abschafft, sollte man ihren Zweck verstehen.

Beispiel: Bevor man eine scheinbar unsinnige Unternehmensrichtlinie streicht, lohnt es sich herauszufinden, welches Problem sie ursprünglich lösen sollte.

Gesetze aus Arbeit und Organisation

Parkinsons Gesetz

Definition: Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht.

Beispiel: Wenn du einen Monat für ein Projekt einplanst, das in einer Woche erledigt werden könnte, wird das Projekt einen Monat dauern – oder sogar ein klein wenig länger, siehe Hofstadters Gesetz.

Hofstadters Gesetz

Definition: Es dauert immer länger als erwartet – selbst wenn man Hofstadters Gesetz berücksichtigt.

Beispiel: Softwareprojekte werden fast immer unterschätzt, auch wenn das Team bewusst einen Puffer einplant.

Gesetz der Trivialität (Bikeshedding)

Definition: Die Zeit, die ein Gremium auf einen Tagesordnungspunkt verwendet, ist umgekehrt proportional zu dessen Bedeutung. Auch dieses Gesetz stammt von C. Northcote Parkinson.

Beispiel: Parkinsons eigenes Beispiel: Ein Ausschuss winkt den Bau eines Kernreaktors in wenigen Minuten durch, weil kaum jemand die Details versteht – diskutiert aber stundenlang über das Dach des Fahrradschuppens.

Sayres Gesetz

Definition: In jedem Streit ist die Heftigkeit der Gefühle umgekehrt proportional zu dem, was tatsächlich auf dem Spiel steht.

Beispiel: Der Politikwissenschaftler Wallace Sayre bezog das auf die Hochschulpolitik: Akademische Streitigkeiten seien gerade deshalb so erbittert, weil es um so wenig gehe.

Pareto-Prinzip (80/20-Regel)

Definition: Bei vielen Phänomenen gehen etwa 80 % der Wirkung auf nur 20 % der Ursachen zurück. Die Zahlen sind eine Faustregel, kein Naturgesetz.

Beispiel: Im Verkauf stammen oft rund 80 % des Umsatzes von 20 % der Kundschaft.

Eisenhower-Matrix

Definition: Ein Werkzeug, um Aufgaben nach Dringlichkeit und Wichtigkeit in vier Felder einzuteilen – und daraus abzuleiten, wie man mit ihnen umgeht.

Beispiel:

  • Dringend und wichtig: sofort selbst erledigen, z. B. eine Krise
  • Wichtig, aber nicht dringend: fest einplanen, z. B. strategische Planung
  • Dringend, aber nicht wichtig: möglichst delegieren, z. B. viele Unterbrechungen
  • Weder dringend noch wichtig: weglassen, z. B. Belanglosigkeiten

Galls Gesetz

Definition: Ein komplexes System, das funktioniert, hat sich immer aus einem einfachen System entwickelt, das funktioniert hat. Ein von Grund auf komplex entworfenes System funktioniert dagegen nie richtig und lässt sich auch nicht reparieren.

Beispiel: Das Internet begann als überschaubares Forschungsnetz (ARPANET) und wuchs Schritt für Schritt zu einer globalen Infrastruktur.

Peter-Prinzip

Definition: In einer Hierarchie wird jeder so lange befördert, bis er eine Stufe erreicht, auf der er überfordert ist.

Beispiel: Ein hervorragender Verkäufer wird zum Vertriebsleiter befördert – einer Aufgabe, für die ganz andere Fähigkeiten gefragt sind.

Murphys Gesetz

Definition: Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.

Beispiel: Wenn du Toast fallen lässt, landet er gefühlt immer auf der Butterseite.

Gesetz des abnehmenden Ertragszuwachses

Definition: Erhöht man einen Produktionsfaktor immer weiter, während die anderen gleich bleiben, bringt jede zusätzliche Einheit irgendwann weniger zusätzlichen Ertrag. Verwandt, aber nicht dasselbe ist das Gesetz vom abnehmenden Grenznutzen (Gossen): Der Genuss nimmt mit jeder weiteren Einheit ab – das dritte Stück Kuchen schmeckt weniger als das erste.

Beispiel: Zusätzliche Arbeiter an einer Fertigungsstraße erhöhen die Produktion anfangs deutlich, doch irgendwann trägt jede neue Person immer weniger zur Gesamtleistung bei.

Denkfehler und Verzerrungen

Anker-Effekt

Definition: Die Tendenz, sich bei Entscheidungen zu stark an der ersten Information (dem „Anker“) zu orientieren.

Beispiel: Wird ein Auto zuerst mit 30.000 € ausgezeichnet und dann auf 25.000 € reduziert, wirkt es wie ein Schnäppchen – selbst wenn es eigentlich deutlich weniger wert ist.

Bestätigungsfehler (Confirmation Bias)

Definition: Die Tendenz, Informationen so zu suchen, zu deuten und zu erinnern, dass sie die eigenen Überzeugungen bestätigen.

Beispiel: Wer an Astrologie glaubt, erinnert sich an die Male, in denen das Horoskop gepasst hat, und vergisst die vielen anderen.

Dunning-Kruger-Effekt

Definition: Menschen mit geringen Fähigkeiten auf einem Gebiet überschätzen ihr Können oft deutlich, während sehr Kompetente sich eher leicht unterschätzen. Wie stark der Effekt wirklich ist, ist in der Forschung allerdings umstritten – ein Teil lässt sich auch statistisch erklären.

Beispiel: Ein Schach-Anfänger hält sich nach ein paar gewonnenen Partien für richtig gut, während eine Großmeisterin sehr genau weiß, was sie noch nicht kann.

Halo-Effekt

Definition: Ein einzelnes auffälliges Merkmal färbt den Gesamteindruck einer Person – auch in Bereichen, die damit nichts zu tun haben.

Beispiel: Man hält eine gut gekleidete, attraktive Person automatisch auch für klug und kompetent, ohne Belege dafür zu haben.

Fundamentaler Attributionsfehler

Definition: Die Tendenz, das Verhalten anderer zu stark auf deren Charakter zurückzuführen und die Umstände zu unterschätzen. Erklärt man dagegen das eigene Verhalten mit den Umständen, spricht man genauer von der Akteur-Beobachter-Verzerrung.

Beispiel: Kommt ein Kollege zu spät, denkt man „der ist halt unzuverlässig“ – kommt man selbst zu spät, war natürlich der Stau schuld.

Falscher-Konsens-Effekt

Definition: Die Tendenz zu überschätzen, wie sehr andere die eigenen Meinungen, Vorlieben und Verhaltensweisen teilen.

Beispiel: Weil man selbst einen Film großartig findet, geht man davon aus, dass ihn die meisten anderen auch mögen müssen.

Survivorship Bias (Überlebensirrtum)

Definition: Man betrachtet nur die Fälle, die einen Auswahlprozess „überlebt“ haben, und übersieht die anderen – weil sie nicht mehr sichtbar sind.

Beispiel: Im Zweiten Weltkrieg wollte man Bomber dort panzern, wo zurückgekehrte Maschinen die meisten Einschusslöcher hatten. Der Statistiker Abraham Wald empfahl das Gegenteil: Die Treffer an den anderen Stellen waren offenbar die, nach denen Flugzeuge gar nicht mehr zurückkamen. Ähnlich wirkt Gründen einfach, wenn man nur die erfolgreichen Start-ups sieht.

Verfügbarkeitsheuristik

Definition: Wie wahrscheinlich uns etwas erscheint, hängt davon ab, wie leicht uns Beispiele dafür einfallen – etwa weil wir kürzlich davon gehört haben oder sie besonders eindrücklich waren.

Beispiel: Nach Berichten über einen Flugzeugabsturz halten viele Fliegen für gefährlicher als Autofahren, obwohl es statistisch umgekehrt ist.

Vogel-Strauß-Effekt

Definition: Unangenehme Informationen werden gemieden, als würden die Probleme dadurch verschwinden.

Beispiel: Man öffnet die Kontoauszüge nicht mehr, wenn die Finanzen schlecht aussehen. Übrigens: Echte Strauße stecken den Kopf gar nicht in den Sand.

Endowment-Effekt (Besitztumseffekt)

Definition: Menschen bewerten Dinge höher, sobald sie ihnen gehören.

Beispiel: In einem bekannten Experiment von Kahneman, Knetsch und Thaler verlangten Studierende für einen Kaffeebecher, den sie gerade geschenkt bekommen hatten, etwa doppelt so viel, wie andere für denselben Becher zahlen wollten.

Sunk Cost Fallacy (Versunkene-Kosten-Falle)

Definition: Man hält an einem Vorhaben fest, weil man schon viel Geld, Zeit oder Mühe hineingesteckt hat – obwohl sich das Weitermachen nicht mehr lohnt.

Beispiel: Ein altes Auto wird immer wieder repariert, „weil schon so viel Geld drinsteckt“, obwohl ein Ersatz längst günstiger wäre.

Soziale Effekte

Mitläufer-Effekt (Bandwagon-Effekt)

Definition: Menschen übernehmen eine Meinung oder einen Trend eher, wenn sie bereits weit verbreitet sind.

Beispiel: Man kauft ein bestimmtes Smartphone vor allem, weil es gerade alle haben, obwohl man es eigentlich nicht braucht.

Bystander-Effekt (Zuschauereffekt)

Definition: Je mehr Menschen anwesend sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Einzelner einem Menschen in Not hilft.

Beispiel: An einem belebten Ort sieht man jemanden zusammenbrechen und geht davon aus, dass schon jemand anderes helfen wird.

Hawthorne-Effekt

Definition: Menschen ändern ihr Verhalten, weil sie wissen, dass sie beobachtet werden.

Beispiel: Mitarbeitende arbeiten produktiver, solange eine Studie läuft – und zwar unabhängig davon, was dabei eigentlich verändert wurde.

Streisand-Effekt

Definition: Der Versuch, eine Information zu unterdrücken, sorgt erst recht für ihre Verbreitung.

Beispiel: 2003 verklagte Barbra Streisand einen Fotografen, weil auf einem Luftbild der kalifornischen Küste ihr Anwesen zu sehen war. Vor der Klage war das Bild kaum abgerufen worden – danach wollten es Hunderttausende sehen.