Der Mount Everest ist 8848,86 Meter hoch – über dem Meeresspiegel. Aber was heißt „hoch“ auf dem Mars, dem Mond oder der Venus, wo es gar keinen Ozean gibt? Damit Höhenangaben trotzdem einen Sinn ergeben, legen Fachleute für jeden Himmelskörper eine gedachte Bezugsfläche fest, die Geodäten Datum nennen. Im Deutschen spricht man manchmal auch vom mittleren Planetenniveau. Jede Höhe ist dann einfach der Abstand über (oder unter) dieser Fläche.

Schon auf der Erde ist „Meeresspiegel“ kompliziert

Der Meeresspiegel ist keine glatte Kugel. Gezeiten, Wind und Strömungen lassen ihn ständig schwanken, und weil die Schwerkraft nicht überall gleich stark ist, liegt die mittlere Meeresoberfläche an manchen Stellen rund 100 Meter höher oder tiefer als an anderen. Geodäten verwenden deshalb das Geoid: eine Fläche gleicher Schwerkraftwirkung (eine sogenannte Äquipotentialfläche), die ungefähr dem mittleren Meeresspiegel entspricht und gedanklich unter den Kontinenten fortgesetzt wird. Wasser würde auf ihr nicht fließen – sie ist sozusagen das „Wasserwaagen-Niveau“ der Erde.

Dazu kommt: Jedes Land hat sein Höhennetz an einem eigenen Pegel angeschlossen. Deutschland bezieht sich historisch auf den Pegel Amsterdam, die Schweiz auf einen Bezugspunkt, der letztlich auf den Pegel von Marseille zurückgeht. Wie viel da schiefgehen kann, zeigt die Hochrheinbrücke zwischen Laufenburg (Baden) und Laufenburg (Schweiz): Der bekannte Unterschied von 27 Zentimetern zwischen den beiden Systemen wurde beim Bau mit dem falschen Vorzeichen eingerechnet – am Ende passten die Brückenhälften um 54 Zentimeter nicht zusammen.

Mars: vom Luftdruck zum Areoid

Für den Mars brauchte man schon in den 1970er-Jahren eine Nulllinie. Die Lösung damals: Man nahm die Höhe, auf der der mittlere Luftdruck 6,1 Millibar (rund 610 Pascal) beträgt. Das liegt nahe am Tripelpunkt des Wassers – dem Druck, bei dem Wasser gleichzeitig fest, flüssig und gasförmig vorkommen kann. Das Problem: Der Marsluftdruck schwankt mit den Jahreszeiten stark, weil im Winter ein Teil der Kohlendioxid-Atmosphäre an den Polen gefriert. Eine Nulllinie, die sich bewegt, ist unpraktisch.

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Mit dem Mars Orbiter Laser Altimeter (MOLA) an Bord der Raumsonde Mars Global Surveyor hat die NASA den Mars zwischen 1997 und 2001 mit über 600 Millionen Laserpulsen vermessen. Seitdem gilt das Areoid als Bezugsfläche – das Mars-Gegenstück zum Geoid (Ares ist der griechische Name des Kriegsgottes Mars). Es ist eine Fläche gleichen Schwerepotenzials, festgelegt auf das Potenzial am mittleren Äquatorradius von rund 3396 Kilometern. Die alte 6,1-Millibar-Fläche liegt im Schnitt etwa 1,6 Kilometer unter dem Areoid.

Übrigens: Der Mars ist ein Planet der Extreme. Die Nordhalbkugel liegt im Mittel mehrere Kilometer tiefer als die zerkraterte Südhalbkugel – genau das zeigt die farbige MOLA-Karte oben.

Venus, Mond und Merkur: der mittlere Radius

Bei Körpern ohne nennenswerte Abplattung macht man es sich einfacher: Man nimmt eine Kugel mit dem mittleren Radius als Nullfläche.

  • Venus: Die Raumsonde Magellan hat die Oberfläche Anfang der 1990er-Jahre per Radar durch die dichte Wolkendecke kartiert. Bezugsfläche ist der mittlere Planetenradius von etwa 6051,8 Kilometern.
  • Mond: Der Laser-Höhenmesser LOLA des Lunar Reconnaissance Orbiter verwendet eine Kugel mit 1737,4 Kilometern Radius.
  • Merkur: Für das erste globale Höhenmodell aus Daten der Sonde MESSENGER (2016) dient ebenfalls eine Bezugskugel mit dem mittleren Merkurradius von rund 2440 Kilometern.

Bei kleinen, unregelmäßig geformten Körpern wie dem Asteroiden Vesta oder bei Monden wie Io gibt man Bergeshöhen meist relativ zur Umgebung an, also vom Fuß bis zum Gipfel. Eine Kugel oder ein Ellipsoid ergibt dort als Nullfläche wenig Sinn.

Die höchsten Berge im Sonnensystem

Weil die Bezugsflächen so unterschiedlich sind, lassen sich die Zahlen nur grob vergleichen. Eindrucksvoll sind sie trotzdem:

Himmelskörper Höchster Berg/Punkt Höhe Gemessen gegenüber Quelle
Vesta (Asteroid) Zentralberg des Rheasilvia-Beckens ca. 22 km (20–25 km) Umgebung NASA/JPL, Dawn
Mars Olympus Mons ca. 21,2 km über dem Areoid; ca. 21,9 km über den umgebenden Ebenen Areoid / Umgebung Plescia 2004; MOLA/HRSC-Analyse 2025; NASA
Io (Jupitermond) Boösaule Montes ca. 17,5 km (± 3 km) Umgebung Schenk et al. 2001
Venus Maxwell Montes knapp 11 km mittlerer Radius NASA/JPL, Magellan
Mond höchster Punkt (am Krater Engel’gardt) 10.786 m mittlerer Radius NASA/LROC
Erde Mount Everest 8848,86 m Meeresspiegel (Geoid) Nepal & China 2020
Pluto Tenzing Montes ca. 6 km Umgebung LPI, New Horizons
Merkur höchster Punkt (südlich des Äquators) 4,48 km mittleres Niveau NASA, MESSENGER
Titan (Saturnmond) Mithrim Montes 3337 m mittleres Niveau NASA, Cassini

Der höchste Punkt des Mondes liegt damit fast zwei Kilometer „höher“ als der Gipfel des Everest – und das, obwohl der Mond viel kleiner ist. Auf einem kleinen Körper mit geringer Schwerkraft können Berge eben höher werden, ohne unter ihrem eigenen Gewicht nachzugeben. Darum führt auch der winzige Asteroid Vesta die Liste an.

Und auf der Erde? Misst man vom Fuß am Meeresboden statt vom Meeresspiegel, ist der Vulkan Mauna Kea auf Hawaii höher als der Everest. Mehr dazu erfährst du im Artikel Welcher Berg ist der höchste der Welt?

Was heißt das für die Aussicht?

Wie weit du von einem Gipfel aus sehen kannst, hängt nicht nur von seiner Höhe ab, sondern auch davon, wie stark die Oberfläche gekrümmt ist. Auf der Erde kannst du das mit unserem Horizont-Rechner ausprobieren. Auf einem kleinen Körper wie dem Mond ist der Horizont übrigens deutlich näher als auf der Erde, weil die Oberfläche stärker gekrümmt ist.

Lust auf noch mehr Mars? Dann lies, was winzige Hefezellen über mögliches Leben auf dem Mars verraten.

Quellen